Der gefallene Engel

Es war einst, da versammelte Gott seine Engel in einer großen Halle. Er sorgte sich um seinen Diener Abraham, dessen Herz nicht vollenends bei ihm war. Ihm waren die Hände gebunden ins Geschehen einzugreifen, doch es war ihm möglich, ihm Botschaften zu senden. Und wenn die Hoffnung noch nicht verloren war, so würde er sie womöglich erkennen und vielleicht sogar richtig deuten.

Nach vielen langen Stunden der Beratschlagung, fiel Gott sein Urteil: Er würde den Mann durch ein Opfer, für das er eine Belohnung erhalten, sollte an sich binden. So hatte er es immer getan und es würde auch dieses Mal funktionieren. Dessen war er sich gewiss.

Nachdem alle Engel verschwunden waren, trat sein ältester Sohn an ihn heran und flüsterte ihm leise zu, sodass es sicher keiner hören konnte: „Vater. Vater. Höre mich an.“ Der Vater zögerte, da die Ratschläge von diesem Engel oft mit Tod und Verderben endeten. Zu viel Schaden hatte er in der Vergangenheit angerichtet. Und Gott wusste nicht, ob er ihm noch vertrauen konnte.

„Nun lass hören, mein Sohn“, rag er sich schließlich durch zu sagen. Sein treuster Vasall zögerte einen Augenblick, ehe er sein Anliegen vorbrachte:

„Vater. Ich weiß, was du gedenkst zu tun, denn es hat schon immer die gewünschten Früchte hervorgebracht. Doch ich kenne einen anderen Weg, der dir ewiglich seine Loyalität gewährleisten wird.“ Gott hörte sich den Vorschlag seines Ergebenen aufmerksam an. Doch am Schluss empörte er sich: „Sohn! Warum hast du dies nicht früher vorgetragen? Jetzt ist meine Entscheidung bereits verkündet. Und mein Wort ist unumstößlich.“ Dessen war sich der Sohn bewusst und wies ihn darauf hin, dass er noch einen anderen Weg kenne. Darüber dachte Gott einen Augenblick lang nach. Auch wenn das Handeln seines Sohnes einen hohen Preis verlangen würde, so könnte er auf diese Weise Frieden unter seinen anderen Söhnen stiften, denn sie neideten diesem Engel, der sich so viele Fehltritte leisten konnte, ohne wie sein Bruder einst verbannt zu werden.

„Du bist dir der Konsequenzen deiner Handlungen und deiner Entscheidung bewusst?“, um sich ein letztes Mal zu vergewissern, dass der Engel aus freiem Willen handelte. Dieser nickte nur und sprach: „Im Namen des Vaters“ und der Vater erwiderte: „So soll es geschehen.“

Und so wartete der Engel, bis Abraham mit seinem Sohn als Opfer auf den Berg stieg. Das war der Augenblick, in dem er nieder stieg. Er wartete, bis Abraham seine Hand mit dem Schwert emporhob, um seinen Sohn einen kurzen und gnädigen Tod zu gewähren und ihn in Flammen zu setzen. Im letzten Augenblick griff der Engel nach der Hand des treuen und ergeben Dieners. So wurde das menschliche Opfer verhinderte und ein anderes gebracht, hinter dem Schleier des Sichtbarem.

Der Engel hielt, was er versprochen hatte: Durch den Akt der Gnade folgten der Diener und seine Söhne, bis in die nachfolgenden Generationen hin, und hielten Gott gegenüber die Treue. Doch in seine Heimat, den Himmel, kehrte der Engel nicht mehr zurück. Er hatte sich den Anweisungen Gottes widersetzt, um ein einfaches Menschenleben zu retten. Im Himmel und auf der Erde kehrte Frieden ein. Und die Unterwelt erhielt einen weiteren Wächter.

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