Seenachtfest – Konstanz vs. Kreuzlingen

Das Seenachtfest in Konstanz ist eines der jährlichen Ereignisse. Worauf sich viele und angeblich genauso viele (nicht) freuen, ist das Feuerwerk am Samstagabend. Dieses Jahr sollte es zum letzten Mal in der gewohnten Form stattfinden. Was im nächsten Jahr folgen soll, ist Stand heute erst einmal ein Rätsel. Mein Mann und ich hatten das Vergnügen, dass Feuerwerk der Deutschen und der Schweizer von der Schweizer Seite aus zu beobachten. Am spannendsten waren dabei die Schweizer.

Samstagabend. Es ist ein schöner Tag und wir freuen uns bereits auf das Feuerwerk am Abend. Die letzten Jahre konnten wir immer wieder das Feuerwerk von unserem Balkon aus in Meersburg beobachten. Und Jahr für Jahr nahmen wir uns vor, das Fest endlich zu besuchen. Wenn die Ankündigung, dass es das das letzte Feuerwerk sein wird, kein Anlass ist sich endlich aufzuraffen, dann weiß ich auch nicht. Bevor wir es uns anders überlegen konnten, richteten wir uns und brachen auf. Die Vorfreude war groß.

Obwohl wir es theoretisch wussten, erstaunte es doch, dass nahezu der gesamte Seebereich in der Altstadt gesperrt war und wie viele Menschen unterwegs waren. Doch so richtig in Stimmung brachte uns der Anblick nicht: Die wenigsten der Menschen sahen auch nur ansatzweise so aus, als würden sie auf ein Fest gehen. Die Mundwinkel waren bei den meisten tiefer als auf Angelas ungünstigstem Foto. Wenn sich die Menschen auf etwas wohl freuten, dann auf das Lästern hinterher. Versehentliches Zusammenstoßen – was bei solch einer Anhäufung von Wesen nicht ungewöhnlich ist – wurde mit „Pass doch auf!“ quittiert. Unsere Laune konnte das nicht trüben. Wir wollten feiern und den Abend genießen. Auf die Laune und Haltung anderer Menschen Einfluss nehmen zu wollen ist für gewöhnlich ohnehin vergebliche Liebesmüh – also kümmern wir uns um uns.

Leider müssen wir bereits an dieser Stelle zugeben: Das Fest uns ist von außen her nicht sonderlich sympathisch. Das liegt nicht nur an den Besuchern, die uns bisher begegnet sind und welche wir hinter den Absperrungen sehen können. An jedem Eingang stehen mindestens zwei bewaffnete uniformierte grimmige Wächter. Für diese haben wir mehr Verständnis übrig, denn so verpackt wie sie sind, ist ihnen warm – sehr warm. Ihnen sei vergeben. Anstatt zu feiern, müssen sie arbeiten und über die Besucher wachen. Schließlich könnte man bei dem Aufwand denken, dass jeder von uns ein potentieller Attentäter sei.

Ein wenig ist uns nun doch die Lust vergangen. Wenn es draußen schon so beginnt, ist es fraglich, ob es drinnen besser wird. Wir spazieren ein klein wenig weiter – in Richtung Schweizer Eingang. Hier ist schon deutlich weniger los. Und endlich sehen wir mal grinsende, fröhliche Gesichter. Balsam für unsere Seelen.

Allein das Schweizer „Grützi“ erheitert uns schon. Den Eintritt kann man auch problemlos 1:1 in Euro bezahlen. Wir sind cooler – wir wollen Franken abheben und in Franken bezahlen. Als wir uns auf den Weg zur Bank machen, spricht uns ein netter Jugendlicher an: „Es ist das gleiche Fest. Nur der Eintritt ist billiger und das Feuerwerk besser. Hier habt ihr mehr Platz!“ Mein Mann bedankt sich bei ihm: „Wir wollen nur Franken für den Eintritt holen.“ Er nickt uns glücklich zu und verabschiedet sich mit „Bis spater!“

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