Deutschland hat ein Müllproblem – Ein Ausflug zum Minigolf

Die Minigolfanlage ähnelt der in Meersburg auf den ersten Blick sehr. Doch der Schein trügt. Der erste Unterschied ist der Offensichtlichste: Die Preise für Speisen und Getränke. Dass ein Bier hier mindestens fünf Franken kostet, eher sechs oder sieben, damit habe ich mich schon lange abgefunden. In diesem Fall sind es knapp fünf Franken. Aber das die Sprite – auch noch mit reduziertem Zucker – 50 Rappen mehr kostet als das Bier, das geht einfach nicht in meinen Kopf. Wie auch immer. Das Spiel kostet etwa genauso viel wie in Meersburg. Wenigstens das.

Ball und Schläger dürfen wir selber wählen. Sehr gut. Wenigstens sparen wir uns so die übliche Diskussion aus Meersburg: Sein Schläger war meistens zu klein. Meiner zu groß. Manchmal hatte es genügt, die Schläger einfach zu tauschen. Meistens nicht. Er nimmt einen blauen Ball, wie üblich. Ich quietsche wie ein kleines Mädchen, als ich die rosa Bälle sehe. Natürlich nehme ich einen von denen.

Das Spiel beginnt. Schnell ist das Thema unserer Gespräche die Politik. Dabei hatte ich mir fest vorgenommen, heute frei zu machen und meinen Mann nicht damit zu nerven. Es muss an der grünen Luft liegen. Ganz bestimmt.

Aktuelles Thema ist das Müllproblem in Deutschland. Wir generieren zu viel Plastikmüll, was unglaublich schlecht für die Umwelt ist. Dass diese Logik nur einseitig ist und das Problem wesentlich komplexer und vielschichtiger ist, dass das nur eine Kleinigkeit im Vergleich zu wirklichen Umweltproblem ist, dass interessiert das deutsche Volk wieder einmal nicht. Passend zum Thema blicke ich mich um. Dabei suche ich nach etwas Bestimmten: Müll.

Aber wie sehr ich auch suche: Ich kann einfach keinen entdecken. Kein Müll weit und breit. „Hey, Schatz. Kannst du hier irgendwo Müll entdecken?“ Als wäre ich eine Verrückte, blickt er mich an. „Müll?“, fragt er nur etwas verdutz nach. Er sieht sich suchend um, kann aber ebenfalls nichts finden. Noch nicht einmal einen Zigarettenstümmel auf dem Boden.

Mit dem Minigolf in Meersburg ist das nicht zu vergleichen. Zigarettenstümmel? Damit ist der Boden dort praktisch gepflastert. Leere Flaschen? Eine mindestens an jeder Bahn. Leere Verpackung? Teilweise sogar auf den Bahnen oder den Rändern. Ok. Ein wenig übertreibe ich schon. Wobei mein Mann das wohl noch dramatischer schildern würde. Er ist von uns derjenige, der den Müll bei Seite räumt, damit wir in Ruhe spielen können.

Mir ist es ein Rätsel, wie sie diesen Ort so sauber halten können. Aber lange muss ich darüber nicht rätseln: Wie so oft, liegt die Antwort näher als man denkt. Denn an absolut jeder Bahn befindet sich ein Pult, der eigentlich für den Zettel mit dem Zählerstand gedacht ist. Und genau an diesem befindet sich ein kleiner Mülleimer. Zunächst bin ich mir nicht sicher, ob es sich hierbei tatsächlich um einen Mülleimer handelt. Es hat die Form einer Eistüte und ist gelb-orange. Bevor ich meinen Müll hineinwerfe, luge ich vorsichtig hinein. Wer hätte es gedacht? Es liegt Müll darin.

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